Selbstverständliches zum Flüchtlingsthema

Täglich gibt es neue Beiträge im Wettbewerb um die derbste Äußerung zum Flüchtlingsthema in den Kategorien Dummheit, Populismus, Hedonismus, Anti-Intellektualismus und Menschenverachtung. Meinungsexhibitionismus ist längst Volkssport, und viele Politiker und Publizisten ergreifen den denkbar ungeeignetsten Anlass der Flüchtlingsbewegung, um sich dem wirren Volk mit Volkstümlichkeit anzubiedern. Das Gespenst des Zeitgeists tut in seiner Gedankenarmut, als hätte es nie eine Aufklärung gegeben. Öffentlich dominiert die kognitive Ökonomie, zuhause in den deutschen Schränken die Tassenlosigkeit. Anlass für ein paar Tassen mit simplen Botschaften.

  1. Flüchtlinge sind Opfer von Kriegen oder hatten nicht das Glück, bei Geburt in ein Land gefallen zu sein, das seinen Reichtum* zu gutem Teil der himmelschreiend ungerechten Weltwirtschaftsordnung verdankt.
  2. Pegida, AfD und Co. dagegen sind lediglich Opfer ihrer kolossalen Blödheit und ihres Schissertums.
  3. Faschistische Bewegungen stilisieren sich seit jeher als Opfer, um an die Macht zu gelangen und gewaltsam gegen die herbeibehaupteten Täter vorzugehen: Täter-Opfer-Umkehr.
  4. Flüchtlinge bedrohen nicht unseren Wohlstand. Das Privatvermögen in Deutschland beläuft sich auf 5,28,7 Billionen Euro (Stand: Juli-September 2015). Das reichste Prozent besitzt ein Drittel davon. In Deutschland stehen 1,5 Millionen Wohnungen leer.
  5. Natürlich kommt nicht jeder in guter Absicht nach Deutschland. Es fährt aber auch nicht jeder Deutsche in guter Absicht nach Afrika.
  6. Flüchtlinge sind so gute und so schlechte Menschen wie wir Deutsche. Dies zu bestreiten ist Rassismus.
  7. Der Islam ist so antiaufklärerisch wie das Christentum. Aber Religion ist individuelle Freiheit* – und immer das, was du draus machst.
  8. Es ist die selbstverständliche Aufgabe von Polizei, Justiz und Politik, Flüchtlinge zu schützen. Schafft der demokratische Staat dies nicht, scheitert er.
  9. Durch die Flüchtlinge ist die Kriminalität pro Kopf in Deutschland nicht gestiegen.
  10. Der Impuls ist der denkbar schlechteste politische Ratgeber. Viel besser ist ein besonnener Verstand, der sich für Information und Meinungsbildung Zeit lässt.
* Die von Figuren wie Bundespräsident Gauck so oft bemühte Freiheit sollte auch die individuelle Freiheit sein, sein Glück zu suchen, wo man möchte. Dies kann man niemandem persönlich vorwerfen, schon gar nicht in einer dermaßen ungerechten Welt. Wer gegen große Flüchtlingsbewegungen aus Armut ist, muss etwas an der Weltwirtschaftsordnung ändern wollen.

Autor: MichaelHöfler

www.michaelhoefler.de

1 Gedanke zu „Selbstverständliches zum Flüchtlingsthema“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *