Tillichs Dankessause für Flüchtlingshelfer

Die PR-Veranstaltung der sächsischen Staatsregierung war im vorhinein ein PR-Debakel: die hochnotpeinliche Einladung des Pegida-Vizes, Tillichs merkbefreites Interview und die empörten Absagen der relevanten Flüchtlingsinitiativen in Folge des jüngsten Schämereignisses.

Das „Dankes-Event“ (Moderator) selbst ist in zwei Sinnbildern vollständig zusammengefasst:
1. Veranstaltungsort im empathiefrei regierten Sachsen war die Eisarena Dresden.
2. Eine austauschbare Unterhaltungskapelle spielte den programmgebenden Titel „All Right Now“.

Überflüssige Details
Im Publikum sah dann, Überraschung!*, kaum jemand haltungsverdächtig aus. Anwesend waren institionalisierte Helfer u.a. von DRK und THW, hoffnungsvolle Büttel aus dem Machtapparat und die Pressevertreter, für die das Schauspiel gemacht war. Dazu Security, Security, Security in der landestypischen Überpräsenz, wann immer es in Sachsen nicht um den Schutz der Schwachen, sondern der Mächtigen geht.
Tillich, ohnehin rhetorisch ein Eistaucher, hielt eine Rede, die es nicht mal ins Kurzzeitgedächtnis schaffte. Dito sein Regierungsazubi von der SPD, Martin Dulig. Dessen Geburtstag lieferte einen launigen Satz, mit dem weiterer Restinhalt eingespart werden konnte.
Die tapferen Veit Kühne und Eric Hattke hatten im Namen von Dresden für alle  einen offenen Brief dabei. Ein „schmieriger Referent“ (Aktivist) diktierte die Bedingungen für den „offenen Dialog“ mit den Helfern: Interessierte durften sich neben dem Bandlärm um Tillich und dessen Gefolge drängeln.

Ich hatte meine Fotos, für die ich Schildchen gebastelt hatte, bereits im Kasten – dachte ich. So übersah ich törichterweise, dass das mit Tillich jenseits der Displaygröße meines Telefons viel zu unscharf für eine virale Wirkung war. Eine anständige Kamera hätte auch nicht geschadet. So oder so, in Sachsen kann freilich alles so bleiben, wie es ist.

* Dabei hätte man die Bühne bestens für Aktionen nutzen können.

 

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Selbstverständliches zum Flüchtlingsthema

Täglich gibt es neue Beiträge im Wettbewerb um die derbste Äußerung zum Flüchtlingsthema in den Kategorien Dummheit, Populismus, Hedonismus, Anti-Intellektualismus und Menschenverachtung. Meinungsexhibitionismus ist längst Volkssport, und viele Politiker und Publizisten ergreifen den denkbar ungeeignetsten Anlass der Flüchtlingsbewegung, um sich dem wirren Volk mit Volkstümlichkeit anzubiedern. Das Gespenst des Zeitgeists tut in seiner Gedankenarmut, als hätte es nie eine Aufklärung gegeben. Öffentlich dominiert die kognitive Ökonomie, zuhause in den deutschen Schränken die Tassenlosigkeit. Anlass für ein paar Tassen mit simplen Botschaften.

  1. Flüchtlinge sind Opfer von Kriegen oder hatten nicht das Glück, bei Geburt in ein Land gefallen zu sein, das seinen Reichtum* zu gutem Teil der himmelschreiend ungerechten Weltwirtschaftsordnung verdankt.
  2. Pegida, AfD und Co. dagegen sind lediglich Opfer ihrer kolossalen Blödheit und ihres Schissertums.
  3. Faschistische Bewegungen stilisieren sich seit jeher als Opfer, um an die Macht zu gelangen und gewaltsam gegen die herbeibehaupteten Täter vorzugehen: Täter-Opfer-Umkehr.
  4. Flüchtlinge bedrohen nicht unseren Wohlstand. Das Privatvermögen in Deutschland beläuft sich auf 5,28,7 Billionen Euro (Stand: Juli-September 2015). Das reichste Prozent besitzt ein Drittel davon. In Deutschland stehen 1,5 Millionen Wohnungen leer.
  5. Natürlich kommt nicht jeder in guter Absicht nach Deutschland. Es fährt aber auch nicht jeder Deutsche in guter Absicht nach Afrika.
  6. Flüchtlinge sind so gute und so schlechte Menschen wie wir Deutsche. Dies zu bestreiten ist Rassismus.
  7. Der Islam ist so antiaufklärerisch wie das Christentum. Aber Religion ist individuelle Freiheit* – und immer das, was du draus machst.
  8. Es ist die selbstverständliche Aufgabe von Polizei, Justiz und Politik, Flüchtlinge zu schützen. Schafft der demokratische Staat dies nicht, scheitert er.
  9. Durch die Flüchtlinge ist die Kriminalität pro Kopf in Deutschland nicht gestiegen.
  10. Der Impuls ist der denkbar schlechteste politische Ratgeber. Viel besser ist ein besonnener Verstand, der sich für Information und Meinungsbildung Zeit lässt.
* Die von Figuren wie Bundespräsident Gauck so oft bemühte Freiheit sollte auch die individuelle Freiheit sein, sein Glück zu suchen, wo man möchte. Dies kann man niemandem persönlich vorwerfen, schon gar nicht in einer dermaßen ungerechten Welt. Wer gegen große Flüchtlingsbewegungen aus Armut ist, muss etwas an der Weltwirtschaftsordnung ändern wollen.

Die Welt versöhnen mit Aggro-Yoga

Zur Befriedung der Welt muss die Gesellschaft sofort wiedervereint werden. Die divergierenden Bevölkerungsteile sind zu versöhnen, zusammen zu bringen, zu verschmelzen, notfalls aneinander zu ketten  – mögen sie noch so inkompatibel, unverträglich und feindlich erscheinen. Je antagonistischer die Gesellschaftsgruppen, umso mehr Mühe ist geboten, sie zu harmonisieren.
Wer wäre nun für solch einen Vereinigungsversuch besser geeignet als aggressionsferne Yogis und harmonieskeptische Wutbürger? Dankenswerterweise gibt es eine Yogarichtung namens Acro-Yoga (Akrobatik-Yoga), die sich phonetisch für solch einen Versuch aufdrängt.
Folglich habe ich vier deutsche Acro- Aggro-Yoga-Anbieter im Namen eines impulsiven Humanismuskritikers angeschrieben.

aggro yoga

 

 

 

 

 

 

 

Hallo!!

Mir gefellt es das sie für die Kunden Aggro Joga im Angebot haben. Ich finde das es nähmlich bei Joga immer zu viel um Peace und 69 geht und sich alle bloß lieb haben. Dabei mus man doch auch mal seine Agressionen ab baun. Wir sind nicht immer bloß Gut Menschen, es gibt auch Problme in der Welt die zu uns her kommen. Weil wir Menschen sind sind wir auch grau und nicht nur weis und lila und rosa rot. Ich wohne in Dresden und würde mich für Aggro Joga auch mal wo anders hinmachen. Geht das? Ich habe schon kick Boxen gemacht und arbeite von Beruf wegen in der security Branche. Von Aggro Joga hoffe ich das ich entspannter werde beim aggression los werden.

Mit den freundlichsten Grüßen 🙂
Ronny Zschacka

Zwei Yogastudios haben geantwortet.

Korrespondenz mit flying-yogis.de:

Hallo Ronny,
danke für Deine Email! Zuerst muss ich Dich leider enttäuschen. Wir bieten kein Aggro Yoga an. Vielleicht hast Du das mit AcroYoga verwechselt (Akrobatik Yoga). Ich verstehe aber Dein Bedürfniss nach einem entsprechendem Angebot.
Was ich u.U. empfehlen kann und was hilft sich seinen Aggressionen zu stellen und damit umzugehen ist:
1. Kalari, das ist ein Kampfsport aus Indien der sehr verwandt mit Yoga ist.
2. GFK – Gewaltfreie Kommunikation (eher mental, nicht körperlich)
3. wenn Du mutig bist, sehr effektiv wäre ein Vipassana (als 10 Tage Schweige Retreat, da wird man definitiv mit sämtlichen seiner Aggressionen konfrontiert und muss damit umgehen lernen)
Herzliche Grüße,
***
Hallo!!!
 
schade … aber ich finde gut das Joga auch Kampf Sport ist. Kommt das Kalari aus der Wüste? Kampfsport erhöt bestimmt die Azzeptanz von Joga bei den Kameraden … „Gewaltfreie Komunikation“ ist okay wen man da körperlich aktiv sein kann. 
 
Bei 10 Tage schweigen wär ich kritisch. Ich habe ja auch meinungen die stimmen und raus müssen. Kann man das mit dem Joga kampf verbinden? Dann überlege ich mir.
 
Mit den freundlichsten Gruss!

Es erfolgte kein Widerspruch mehr.

Korrespondenz mit ungenanntem Anbieter*

Lieber Ronny,
 
Die Bezeichnung Acroyoga kommt von der Zusammenführung von Acrobatic und Yoga und hat auf keinen Fall etwas mit Aggressionen zu tun, –  obwohl es natürlich stimmt, dass durch jegliche Art von Sport Stress und Aggressionen reduziert werden!
Beim Acroyoga geht es vor allem um Vertrauen, Gemeinschaft, Stärke und Loslassen.
Falls Du Lust hast, es einfach mal auszuprobieren, findest Du anbei alle kommenden Events von ***. 
 
Falls Du noch weitere Fragen hast, kannst Du mir natürlich gerne jederzeit schreiben.
 
Herzliche Grüße,
***
Hallo!!!
 
Oh, ein Mistverständnis. Also sind Aggrossionen verboten nachdem das sie abgebaut sein können?? Stärke finde ich gut und wen ich gewonnen habe kann Ich gut loslassen und vertrauen Geht auch so lange wenn Der andere nicht mehr kann.
 
Wann und wo kann ich Aus probieren!?
 
Mit den freundlichsten Gruss Ronny

Es erfolgte kein Widerspruch mehr in der Sache

* Dieser zweite Anbieter hat der Nennung seines Namens hier mit der Begründung untersagt: „Ich denke, dass Gefühle wie Wut sehr wichtig sind und baue meine Aggressionen selbst gern beim Kampfsport ab […] Das Thema ‚Hilflosigkeit beim Zusammenhalt der Gesellschaft‘ ist mir da einfach zu weit hergeholt.“

Fazit

Umso besser, wenn man wie im zweiten Fall mit Aggro-Yoga bereits offene Türen einrennt! Hier war offenbar die Realität der Satire mal wieder voraus. Im Fall von „Flying Yogis“ müsste man zunächst eine geschlossene, aber sicher unverriegelte Tür einrennen. Ob dies bereits Aggressionen abbaut?

Resüme: Zumindest einige Yogis haben gegenüber Aggrobürgern keine Berührungsängste. An ihnen würde die gesellschaftliche Wiedervereinigung nicht scheitern. Jetzt brauchen die Wutbürger nur noch ins Yogastudio zu kommen. Om shanti und peace!

Meine einzige Begegnung mit Roger Willemsen

Vor ein paar Jahren traf ich auf der Leipziger Buchmesse den mir (von dieser Aktion) bekannten Wolfgang Tischer vom Literaturcafé, der mit sogleich und maßvoll angespannt verriert, dass er in einer halben Stunde Roger Willemsen auf einer Bühne über dessen Bundestagsbuch interviewen werde. Keck und ohne Risiko für mich schlug ich zwecks Brisanz des Gesprächs die Frage an Willemsen vor, ob man für die Erkenntnis, dass im Bundestag nur Fassaden gepflegt werden, dort ein halbes Jahr abhängen verbringen müsse.

Vor besagter Bühne hatte sich eine stattliche Menschenmenge versammelt, als Willemsen durch ein Spalier schritt, welches ihm seine Ausstrahlung aufgetan hatte. Seine überwachen Augen schienen alles und jeden in der Menge zu erfassen, also auch mich. Ich stand einen halben Meter neben der Gasse, die den großen Brillen-Mann mit den graumelierten Schwunglocken auf die Bühne führte – nahe genug, um zu sehen, wie schwer Willemsen an seiner eigenen Aura zu tragen hatte. Mein Herz erhöhte seinen Rhythmus auf den von Willemsens schneidigen Schritt. Ein Attribut, das zu nennen sich bei dem Anlass des Todes eines Menschen (hinter seiner Figur) verbietet, schien sich materialisiert zu haben.

Das Interview begann mit irgendwas. Willemsen erfreute sich an den Fragen und gefiel sich im Antworten fabulieren. Als Wolfgang Tischer einer Frage eine Entschuldigung vorschob, rumpelte es in meinem Oberstübchen. Die Folge: Unordnung und Emotionen statt Vernunft und Gedanken. Tischer erwähnte einen Mann im Publikum, der unbedingt wissen wolle, warum man wohl ein halbes Jahr brauche, um herauszufinden, dass es im Bundestag um Form und nicht um Inhalte gehe. Willemsen fixierte zunächst Tischers Antlitz wortlos streng, ehe er ihm dann nicht minder streng bescheinigte, dass er ihm die Frage persönlich krummgenommen hätte, hätte sie von ihm selber gestammt. Dass es sich dabei um eine Dreistigkeit und Frechheit handle, klang süffisant, hatte aber eine Minute lang ausformuliert zu werden. Ehe Willemsen Wörter Worte zu einer Antwort formte, musste ich mich als Urheber dieser Frechheit in der crowd melden. Ich streckte verschämt den Arm nach oben, während mein Kopf sich weiter weigerte, kognitiv tätig zu werden. Willemsen musterte mich aus zehn Metern Entfernung. Dann schmiedete er einen Monolog aus Eloquenz und ehernen Vokabeln über Authentizität, Chronistenpflicht, Anekdoten usw. usf. Als er mit seinem Gesprochenen zufrieden schien, richtete er die Frage an mich, ob ich dies nun auch sei. Ich nickte untertänigst und freute mich, dass mein Herz in den zweiten Gang zurückschalten konnte.

Ich danke Roger Willemsen sehr dafür, dass er sich ebenso damit begnügte.  Denn auf der Bühne hätte ich rhetorisch definitiv den Kürzeren gezogen. Noch hatte ich irgendeine Erfahrung in der direkten Auseinandersetzung mit seinem Menschenschlag. R.I.P.!

Dialektik der Durchstreichung

In diesen irren bewegenden Zeiten ist es wichtig, eine dezidierte Haltung dialektische Position zu vertreten. Sprachlich sollte man gebührend auf die überbordende Blödheit einschlagen sich jede Wertung verkneifen, um dem wirren Volk den Spiegel seiner Ignoranz vorzuhalten weitere Eskalation zu vermeiden. Das Stichwort dazu lautet Antifaschismus gewaltfreie Kommunikation. Den merkbefreiten Ignoranzlern aufgebrachten Meinungsinteressierten ist der Spiegel des aufgehetzten Meinungsexhibitionismus vorzuhalten auf gleicher Augenhöhe zu begegnen. Je mehr man mit Wissen punktet Kreide man frisst, umso mehr erfährt der Impulsgesteuerte Gesprächspartner über seinen Zivilisationsgrad Empathie. Auf rassistisches Hassgebrüll Humanismusskepsis ist mit einer verbalen Tracht Prügel Verständnis für Besorgtheit zu reagieren.

Textverarbeitungsprogramme erlauben, den Verbaltadel neutral Formuliertes durch zu streichen GROSS ZU SCHREIBEN. Damit kann man dem Leser gegenüber mit (vermeintlichen) Fehlern kokettieren auch die richtige Meinung anbieten. Die ausgestrichene Lesart Korrektur richtet sich an den Ironieversteher Rechthaber!!!!! Denn „Freiheit ist immer die Freiheit der AndersRichtigdenkenden“ (Rosa Luxemburg Peggy Glatzsch). Toleranz bedeutet zu ertragen, dass die Welt nach Deutschland kommt für Deutschland arbeitet.

Festzuhalten bleibt, dass Durchstreichungen Ausradierungen einen Text reichhaltiger lügenfrei machen. Wer zu blöd wahrnehmungsflexibel klug ist, um Korrigendum und Korrektur korrekt zu unterscheiden sich überhaupt mit so einer Stümperei zu beschäftigen, erkennt die Vielschichtigkeit im Multitext nicht findet kraft seines deutschen Menschenverstands dennoch die Wahrheit darin. (Auch in einer Klammer kann man Wichtiges vor eiligen Impulslesern verstecken und gar unterstreichen – ohne dies unschön durchstreichen zu müssen.)
Zur Vollständigkeit der Dialektik fehlt nun neben These und Antithese Pro noch die Synthese Bestätigung. Diese Synthese Bestätigung liefert die Auslassung: das Weglassen dessen, was das vernunftbegabte Gehirn von selbst ergänzt der Lüge. Grund: Das Weglassen ist die goldene Mitte zwischen Rede (unwidersprochen) und  Gegenrede (durchgestrichen). Es steht traditionell zwischen den Zeilen geschrieben, kann sich aber auch in Form z.B. einer unausgeschriebenen Beleid mittendrin finden. Alle Deutschen Ausländer sind!!!! Kruzifixtürken!
Streichel-Ende und Nachhausemitnehm-Botschaft: Wer dich streicht, dem spiele einen guten Streich streiche eine auf.

 

Straßenschäden

Eine Straße und gleichzeitig keine Straße, sondern etwas Drittes, ganz Neues. Vorbildliche Dialektik im Straßenbild der rumänischen Karpaten.

Dialogkultur mit Zwangsmonologikern

Im CulturMag: „Wir kennen sie alle (und sie scheinen sich gerade jetzt exponentiell zu vermehren): Menschen, mit denen man sich nicht unterhalten kann, selbst wenn man sich noch so viel Mühe gibt, weil sie jedes Gespräch sofort unter einem endlosen Redeschwall ersticken. Michael Höfler mit einem kleinen Vorschlag zum Umgang mit diesen Zwangsmonologikern.“